Gemeinsam besser

Cybermobbing in frühkindlichen Bildungseinrichtungen Monika Hirsch-Sprätz

  Monika Hirsch-Sprätz

Dipl. Sozialpädagogin (FH), Supervisorin (DBSH),
Mediatorin (BM und european-mediation-net.eu)
Dozentin und Beraterin für Konfliktmanagement,
Leitung der Mobbingberatung Berlin-Brandenburg

Frau Hirsch-Sprätz, Sie leiten die Mobbingberatung Berlin-Brandenburg und haben in dieser Funktion Erfahrungen in Fällen von Mobbing, zählt hierzu auch Cybermobbing unter Schülern?

Definitiv, denn, wenn man mit Schülern arbeitet, ob außerhalb oder in der Schule, kommt man um das Thema Cybermobbing gar nicht drum herum.

 

Zum Beginn dieses Interviews bitte ich Sie, mir kurz eine Beschreibung zum Erscheinungsbild von Cybermobbing zu geben. Was unterscheidet ihrer Meinung nach Mobbing von Cybermobbing? Gibt es hier einen gravierenden Unterschied?

Cybermobbing ist Mobbing mit Hilfe der digitalen Medien und elektronischer Kommunikationsmittel. Hier seien Handys und Messenger als Beispiele genannt. Bei Mobbing im Netz kann der Bully, so wird der Mobber auch genannt, anonym vorgehen. Es kann auch durch die Nutzung des Internets für Mobbingzwecke zu einer Situation kommen, in der schon ein großes Umfeld des Opfers über gegen ihn beleidigende Äußerungen oder Verleumdungen informiert ist, der Betroffene aber völlig ahnungslos ist und sich nur über das veränderte Verhalten seiner Mitschüler oder Freunden wundert. Er ist vielleicht schon das bevorzugte Thema an seiner Schule und er spürt dies, ohne über die genauen Umstände informiert zu sein. Cybermobbing hat in seiner Reichweite eine andere Dimension als das übliche Mobbing. Einmal ein gefaktes Bild ins Netz stellen, einfach mal was Negatives behaupten um einen Anderen zu diffamieren, all dies kann man anonym mit einem falschen Account als Mobber erledigen. Dies macht es dem Gemobbten häufig unmöglich seinen Mobber zu identifizieren und sich gegen diese Taten zu wehren. Sind solche Bilder oder Behauptungen einmal im Netz im Umlauf, ist eine solche Aktion nur mit großem Aufwand, wenn überhaupt, zu stoppen.

Ein anderer wesentlicher Punkt ist bei Cybermobbing die große Reichweite. Wird man auf der Arbeit gemobbt, bleibt einem häufig noch der sichere Ort der Privatsphäre nach Feierabend. Cybermobbing lässt dem Opfer häufig keine Rückzugsmöglichkeit. Der so gemobbte hat wohl die Möglichkeit seinen Account zu löschen, die Informationen über ihn können aber weiter verbreitet werden, er wird so Tag und Nacht gemobbt.

Auch ist bei Cybermobbing die zeitliche Dimension zu betrachten. Wenn sich dieser Schüler ein paar Jahre später um einen Arbeitsplatz bewirbt, kann der zukünftige Arbeitgeber diese damaligen Äußerungen und Fotos bei seiner Recherche im Internet finden. Dies kann das Aus für die berufliche Chance des Gemobbten sein.

Im realen Leben weiß der Gemobbte in der Regel wer der Täter ist, dieser muss sich aus seiner Deckung begeben, um die Mitläufer und Mittäter anzustiften und seine Mobbingattacken auszuführen. Dies hat der Cybermobber nicht nötig, er kann häufig unerkannt im Verborgenen seine Taten begehen. Auch ist der Umgang der Erwachsenen, Eltern oder auch Pädagogen mit direktem stattfindenden Mobbingfällen einfacher zu händeln. Hier können Gespräche mit dem Täter und dem Opfer geführt werden, die Interventionsmöglichkeiten sind umfangreicher als bei Cybermobbing.

 

 

Ist Ihrer Ansicht nach Cybermobbing ein Problem für die Jugendlichen in dieser Region. Können Sie einen dieser Vorfälle kurz schildern? Ist die Anzahl der Ihnen bekannten Fälle von Mobbing im Netz in den letzten Jahren gestiegen?

Ich fange mit der letzten Frage an. Das, was wir hier in unserer Beratungsstelle beobachten können, ist eine Zunahme der Fälle. Trotz Aufklärung zum Thema Cybermobbing kommt es gehäuft zu solchen Vorfällen. Ein Grund hierfür mag die Tatsache sein, dass immer neue Schülergenerationen nachwachsen und so das Phänomen Cybermobbing immer präsent bleibt. Hier ergibt sich die Notwendigkeit sehr präventiv mit diesem Thema umzugehen. Dies betrifft aber nicht nur die Schulen, auch die Eltern der heutigen Jugend müssen sich intensiv mit dem Thema digitale Medien und Internet, hier vorrangig die social networks, auseinandersetzen. Es wäre nötig und wünschenswert eine entsprechende Medienkompetenz aller Eltern, Lehrer und Pädagogen zu erreichen. Hier liegt die Verantwortung für den Umgang der Jugend im Internet bei den Erwachsenen. Die Jugendlichen müssen über Vorgänge und Gefahren, sowie deren Möglichkeit der Einschränkung, informiert sein. Die aufsichtführenden Erwachsenen müssen über Wissen verfügen, um so ihre Kinder zum Beispiel mit geeigneter Software und Schutzfunktionen im Netz auszustatten. Neben Cybermobbing lauern noch andere Gefahren für Kinder und Jugendliche im Internet, hier seien die Belästigungen durch Erwachsene, die sich auf ihrem Account als Jugendliche ausgeben, benannt. Diese Gefahren gilt es zu erkennen, ihnen vorzubeugen und zu handeln.

 

Können Sie einen konkreten Fall von Cybermobbing an einer
Berliner Schule schildern?

Ja, wir hatten vor kurzem einen Schüler hier, der auch sehr spät erfahren hat, dass es eine Gruppe gibt, die über ihn bei facebook berichtet. Auf dieser Seite stand zum Beispiel: „ Dieses Beispiel wurde zur Wahrung der Identiät des Cybermobbingopfers entfernt“ Das alles hat der so gemobbte Schüler sehr spät mitbekommen, es handelt sich hier um einen relativ jungen Schüler. Er war so erschrocken und es hat ihn so beschäftigt, dass er zu Beginn des Vorfalls nicht in der Lage war, seine Eltern zu informieren. Er hat sich für diese Kommentare geschämt, obwohl die Scham eigentlich auf die andere Seite, auf die Seite der Täter, gehört. Es stellten sich in Folge der Beschimpfungen und des lächerlich Machens seiner Person physische Probleme ein. Er litt unter Bauchschmerzen, es wurde ihm immer übel, wenn er morgens zu Schule gehen sollte. Der Schüler bat seine Eltern zuhause bleiben zu dürfen. Es hat einige Zeit gedauert bis die Eltern darauf aufmerksam wurden, dass das Befinden des Jungen mit dem Besuch der Schule zusammen hängt. Dort wurde er als Folge der Beschimpfungen im Netz gehänselt und ausgelacht. Als es endlich zum klärenden Gespräch zwischen den Eltern mit ihrem Sohn kam, gab es auf dem entsprechenden Forum schon von so vielen Fans und Freunde des Geschriebenen, dass sich die Situation immer weiter aufschaukelte. Die Eltern haben sich dann an unsere Beratungsstelle gewandt und um Unterstützung gebeten. Nachdem hier ein Screenshot der betreffenden Seite zur Beweissicherung gemacht wurde, haben die Eltern mit unserer Unterstützung den Provider aufgefordert, die Gruppe unverzüglich zu schließen. Zeitgleich wurde das LKA eingeschaltet und Anzeige erstattet.

 

In welcher Art und Weise wird im Netz mit Hilfe der neuen Medien gemobbt?
In welchen Bereichen des Internets sind Kinder, in Hinblick auf Cybermobbing, besonders gefährdet?

Hier kann happy slapping als eine Form des Mobbings mit Hilfe digitaler Medien genannt werden. Häufig fotografiert einer in einer Gruppe die brutalen Übergriffe auf einen Unbeteiligten durch einen zweiten der Gruppe. Dieser Film wird entweder im Internet veröffentlicht oder er wird von Handy zu Handy weitergereicht, mit dem Ziel, das Opfer des Übergriffs lächerlich zu machen und sich an seinen Demütigung und Hilflosigkeit zu weiden. Eine Form von Mobbing im Netz ist auch das Anlegen eines Fake-Accounts, mit dem Ziel, durch die dort geposteten Beleidigungen und bewusst falschen Informationen den angeblichen Schreiber zu verunglimpfen, ihn zu schädigen. Es ist für den vermeintlichen Schreiber und Inhaber dieses Accounts schwer nachzuweisen, dass das Geschriebene nicht von ihm, sondern von einem Dritten, der den Namen des Opfers für seine Tat nutzt, stammt. Auch durch Diebstahl des Passwortes eines Accounts kann ein Täter auf der Seite eines Unbeteiligten Beleidigungen posten und diesen so in Misskredit bringen. Stalking ist auch im Internet möglich und führt zu massiven Belästigungen und Beeinträchtigungen für das Opfer. Verunglimpfende Fotocollagen ins Netz gestellt, sind auch eine Art des Cybermobbings und verletzen die Würde der so dargestellten Person.

 

Kann man hier, Ihrer Erfahrung nach, die social networks wie facebook und Schüler VZ benennen?

SchülerVZ existiert ja mittlerweile nicht mehr. Und ja, auf facebook findet häufig Cybermobbing statt, dies hat mehrere Ursachen. Eine ist, dass der Provider im Ausland sitzt und es aus diesem Grund nicht so einfach möglich ist, Kontakt mit ihm aufzunehmen, auch herrschen dort andere Datenschutzbedingungen. Hier hat sich in letzter Zeit durch das Engagement entsprechender Stellen in Deutschland aber schon einiges zum Besseren geändert. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass es nötig wäre, internationale Vereinbarungen zum Schutz der Kinder im Internet zu erlassen. Bei Schüler VZ waren auch in der nahen Vergangenheit schnelle Interventionen möglich. Dies hing auch mit der Vernetzung von Schüler VZ mit Klicksafe und anderen Informations- und Schutzeinrichtungen zusammen oder weil sich Rat bei Experten geholt wurde.

 

Mit welchen gesundheitlichen Folgen kämpfen im Netz gemobbte Kinder. Welchen Weg der Hilfe schlagen Sie den Opfern von Cybermobbing vor?

Die gesundheitlichen Folgen durch Cybermobbing sind sehr vielfältig und individuell. Auf der körperlichen Ebene wird von den Gemobbten häufig über Kopfschmerzen, Übelkeit und Bauchschmerzen geklagt. Aber auch ein Zurückziehen aus bestehenden sozialen Kontakten, bis hin zu schlimmen Depressionen, ein Verlust des Selbstwertgefühls können hier auftreten. Ferner ist in manchen Fällen bei den Opfern ein massives Schamgefühl für die Äußerungen oder verunglimpfenden Fotos der eigenen Person im Netz oder auf Handys der Peergroup zu finden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber auch, dass die Palette der Signale und Zeichen, die das Opfer eines Mobbingvorfalles sendet, von den Eltern und Pädagogen der Kinder und Jugendlichen erkannt und wahrgenommen werden muss.

Bevor ich auf Möglichkeiten der Hilfe bei Cybermobbing zu sprechen komme, möchte ich auf darauf hinweisen, dass die familiäre Situation von entscheidender Bedeutung für die Reaktion des gemobbten Kindes ist. Herrscht hier ein Vertrauensverhältnis, hat das Kind bis zu diesem Zeitpunkt ein Grundvertrauen in die Hilfe und Unterstützung der Eltern oder Pädagogen entwickelt, wird es ihm leichter fallen, das im Internetmobbing anzusprechen und um Hilfe zu bitten. An dieser Stelle möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es zuerst Aufgabe der Erwachsenen ist, in solchen Fällen weitergehende Schritte zu unternehmen. Kinder sind mit dieser Situation gänzlich überfordert. Bei Cybermobbingfällen steht unsere Einrichtung  gerne mit Rat und Tat zur Verfügung und unterstützt die Eltern und ihre Kinder bei notwendigen Schritten.

 

Auf der Internetseite ihrer Einrichtung schreiben Sie: „Mobbing vorbeugen ist eine Gemeinschaftsaufgabe“. An welche Gruppen von Personen denken sie hier konkret? Wie könnte diese Gemeinschaftsarbeit, zur Verhinderung von Cybermobbing, Ihrer Ansicht nach aussehen?

Mit Gemeinschaftsaufgabe ist hier zum Einen die Vernetzung aller Informationseinrichtungen zum Thema Mobbing wie Klicksafe, Kinder- und Lehrer-Informationsseiten im Netz (z.B. schüler-gegen-mobbing, lehrer-gegen-mobbing, juuuport), Internetbeschwerdestellen, Onlineberatung bei Polizei oder Mobbingberatungsstellen, Fachforen, das LISUM als Fortbildungsstätte der Lehrer oder EU-Initiativen gemeint. Zum Anderen die Vernetzung von Einrichtungen des Kinderschutzes, Polizeipräventionsbeauftragte, Beratungsstellen, das Jugendamt, der schulpsychologische Dienst, Medienkompetenzzentren, unsere Einrichtung, als Beispiele. Nur durch gegenseitige Information, Vernetzung und Austausch der verschiedenen für Cybermobbing zuständigen Stellen, ist meiner Meinung nach eine optimale Prophylaxe gegen Mobbing, sowie ein gezieltes individuell angemessenen  Handeln und Reagieren bei einem Cybermobbingfall sicher gestellt.

 

In wieweit sind Ihrer Meinung nach die Pädagogen in den Schulen hier in Berlin und Brandenburg auf das Thema Cybermobbing vorbereitet? Wäre es Ihrer Ansicht nach Aufgabe der Schule das Elternhaus der Kinder und Jugendliche zum Thema Cybermobbing zu informieren und Hilfestellungen in konkreten Fällen zu leisten? Was wünschen Sie sich von den Lehrern und Erziehern in Schuleinrichtungen in Hinblick zu dem das Thema „Umgang mit Cybermobbing“?

Ich denke, durch Hilfs- und Informationsmaterial wie den TK Koffer für eine mobbingfreie Schule, der mittlerweile auch Cybermobbing als Thema aufgenommen hat, sowie durch vielfältige Fortbildungen zum Thema Cybermobbing und der Möglichkeit externe Fachleute zu diesem Thema in die Schule zu holen, besteht heute eine mannigfache Möglichkeit der Unterstützung des pädagogischen Personals. Das Problem liegt, so vermute ich, nicht an fehlenden Informationen und Hilfestellungen zu diesem Thema. Das Problem liegt auf der einen Seite an der häufig fehlenden Medienkompetenz der zum Teil schon älteren LehrerInnen, auf der anderen Seite an der Aufgabenfülle, die LehrerInnen in der heutigen Zeit zu bewältigen haben. Als Beispiel nenne ich den schon erwähnten Mobbingkoffer der, wenn angefordert, den Schulen zur Verfügung gestellt wird. Um mit diesem Koffer sinnvoll arbeiten zu können bedarf es aber zeitintensiver Vorbereitung. Diese Zeit, so erfahre ich immer wieder in Gesprächen mit den Lehrkräften, die sich bei einem Mobbingfall in ihrer Schule hilfesuchend an unsere Einrichtung wenden, steht diesen nicht zur Verfügung. Das Aufgabenfeld eines Lehrers ist vielfältig. Cybermobbing ist hier nur eins von vielen anderen Themen.

Selbstverständlich ist es Aufgabe des Elternhauses sich über Themen wie Cybermobbing zu informieren. Den Eltern obliegt die Aufsichtspflicht und es liegt in ihrer Verantwortung sich Informationen und Unterstützung zu holen. Hier möchte ich auch die häufig zu verzeichnende mangelnde Medienkompetenz der Eltern hinweisen. In Medienzentren hier in Berlin und auch in Brandenburg werden Medienkurse für Eltern angeboten. Ich denke, diese Kurse werden noch nicht im nötigen Maße von Eltern genutzt. Hier gibt es noch einen Handlungsbedarf, denn den Eltern fehlt häufig der Einblick in den Aufbau und den Umgang in sozialen Netzwerken wie facebook.

Auch verzeichnen wir hier, durch Mitteilungen von Lehrern belegt, einen fehlenden offenen Umgang mit Mobbing und auch Cybermobbing an Schulen in Berlin und Brandenburg. Das Problem wird in Schulen häufig geleugnet oder verdrängt und man versucht es auszusitzen. Hier wünschen wir uns als Einrichtung einen mutigeren Umgang mit Offenheit und Transparenz in Fällen von Mobbing in öffentlichen Einrichtungen. Mobbingprophylaxe und bekannt gewordene Fälle müssen auch auf Schulkonferenzen, Elternversammlungen, Klassenkonferenzen zum Thema werden. Wünschenswert wäre auch, wenn sich mehr LehrerkollegInnen an Schulen als MediatorInnen ausbilden lassen würden, um bei Bedarf Gespräche kompetent begleiten und unterstützen zu können. Eine Verbesserung des Umgangs der Schüler untereinander kann, auch mit Hilfe eines Konfliktlotsenprogramms und der Einführung eines Klassenrates, sowie einem kompetenten sozialen Lernprogramm, erreicht werden. Auch das Anfordern externer TrainerInnen zum Thema Cybermobbing sollte in speziellen Fällen immer erwogen werden. Nötig wäre es auch in jedem Fall, den Umgang mit Mobbing in dem Qualitätsmanagement einer Schule, in der Schulordnung aufzunehmen. Hier angelegt könnten konkrete Vorgehensweisen einen Leitfaden bilden. Als Netzwerk gegen Cybermobbing, als eine Form des Mobbings, sollten die Schulsozialarbeiter, die Pädagogen, die Lehrerschaft, die Leitung, die Elternvertreter, die Schulsprecher, sowie geeignete Außenkontakte wie Schulbehörde, Jugendamt, Polizei, Unfallkasse und psychologische Fachkräfte dienen. Darüber hinaus wünsche ich mir auch eine Veränderung auf politischer Ebene, wie die Aufnahme von Vorgehensweisen bei Mobbingfällen in das Schulgesetz und verpflichtend in den Schulordnungen.

 

Was würden Sie persönlich als hilfreich im Kampf gegen Cybermobbing erachten? Welche Tipps zur Vermeidung von Mobbing im Internet haben Sie für Kinder und Jugendliche und deren Eltern im Schulalter?

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, denn es hängt häufig vom Einzelfall ab. Hinschauen, wenn man als Erwachsener eine Veränderung beim Kind oder Jugendlichen feststellt, ist auf jeden Fall der erste Schritt. Hinweise müssen erkannt und richtig gedeutet werden. Von allergrößter Bedeutung sind bei Mobbing und Cybermobbing das soziale Miteinander, das Klassenklima und der Umgang der Schüler untereinander. Kinder können lernen, mit demokratischen Mitteln zu streiten und Konflikte auszutragen. Sie müssen verstehen lernen, dass nicht alles was technisch und digital machbar ist, ethischen Grundsätzen entspricht. Sie sollen erkennen, dass und wie sie sich einmischen dürfen, beim Erkennen von Unrecht. Wünschenswert wäre auch ferner ein größeres Miteinander zwischen Eltern und Kindern, was den Umgang mit dem Internet angeht. Hier können die Eltern, was technische Dinge anbelangt, häufig von ihren Kindern lernen. Die Eltern bringen ihrerseits Erfahrungen oder andere Kompetenzen mit. Eigentlich kann durch diese Kombination Eltern-Kind ein gutes Team für die die korrekte Nutzung des Internets entstehen. Keine Lösung ist bei Cybermobbing das Verbieten des Internets. Dies käme heutzutage einer Isolation gleich und würde das Mobbingopfer noch weiter in seiner Peergroup ausgrenzen.

Eindeutig ist zu raten, nicht zu viele persönliche Daten und Bilder ins Netz zu stellen, nicht so viele persönliche Informationen preiszugeben. Die Sicherheitsmöglichkeiten im Internet voll zu nutzen und sich hierüber auf dem neusten Stand zu halten, ist eine Maßnahme der Sicherung. Hilfe zu suchen, eine andere. Kommt es zu einem Cybermobbingfall, ist es wichtig, zeitnah und im Vorfeld den Vorgang des Mobbings zu dokumentieren. Den Kindern ist zu raten, genau zu überdenken, was sie in Foren mitteilen und dort nicht zu vertrauensselig zu sein. Einen kritischen Blick zu entwickeln und, falls sie im Netz gemobbt werden, sich an Vertrauenspersonen zu wenden und sich Hilfe zu holen.

 

Was wünschen Sie sich zum Thema Cybermobbing?

Wie schon erwähnt, einen größeren Austausch und Vernetzung zwischen staatlichen Stellen und dem Jugendhilfebereich, hier sind häufig große Berührungsängste und Hemmschwellen zu spüren. Ich wünsche mir, dass Pädagogen mit einer großen Leidenschaft und Verantwortungsgefühl sich dem Thema Mobbing annehmen. Die Verantwortlichen in politischen Ämtern, sowie von Seiten der Unfallkasse und der Gesundheits- und Sozialversicherungsseite, müssen mehr Präsenz bei diesem Thema zeigen. Eine Aufnahme des Themas „Mobbing“ in das jeweilige Landesschulgesetz und in die Schulordnung, in dem die Verantwortlichkeiten hierzu klar geregelt sind, sollte Standard werden. Eine konkrete Unterstützung der Eltern durch LehrerInnen bei einem Vorfall, Inanspruchnahme von Hilfe von außen, sowie Information der Eltern zum Thema Cybermobbing durch die Schule, wie beispielsweise an Elternabenden oder Projekttagen.

 

Frau Hirsch-Sprätz, ich danke Ihnen für das Interview!                                                                    

 Berlin 2013

 

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