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Lernen aus neurobiologischer Sicht nach Manfred Spitzer

Ulla

Schriftliche Ausarbeitung zum Referat mit dem Thema
Lernen aus neurobiologischer Sichtweise nach Manfred Spitzer
Inhalt
Inhalt 1
1. Einleitung 2
2. Die Angst vor dem Lernen 5
3. Wie lernt unser Gehirn? 7
4. Neugierde, der Antrieb des positiven Lernens 8
6. Bedingungen für possitives Lernen 12
7. Fazit 14
Literaturverzeichnis 14

1. Einleitung

Wie lernt der Mensch? Der Mensch ist ein Mangelwesen hinsichtlich seiner physiologischen Ausstattung. Es fehlt ihm an fast allem, was ein Überleben in der Evolution sichert. Er vermag nicht zu fliegen, besitzt keine scharfen Krallen und Zähne, seine Sinnesorgane sind im Vergleich mit denen einigen Tieren nur ungenügend ausgebildet. Und doch ist er das Erfolgsmodell dieser Welt, er hat das Aussehen der Erde wie kein anderes Lebewesen zu seinen Gunsten verändert. Tiere, die er als Bedrohung oder Konkurrenz erlebte wurden von ihm ausgelöscht. Tiere, die ihm zu Nutze sind domestiziert und durch Züchtung in seinem Sinne verändert. Der Mensch entwickelte Technik und Techniken um effektiv mit minimalem Aufwand ein gewünschtes optimales Ergebnis zu erzielen und er hat Kunst und Kultur geschaffen. Er ist, trotz seiner mangelhaften physischen Gegebenheiten, in der Lage das Universum zu erkunden, ferne Planeten zu erforschen.
Was aber hat den Menschen zu all dem befähigt? Diese Entwicklung war und ist nur durch die Ausstattung des Menschen mit einem sehr effektiv arbeitenden Gehirn möglich. All dies hat die Leistung seines Gehirns möglich gemacht und durch diese Leistungen hat sich das Gehirn wiederum konstant im Laufe der Evolution weiterentwickelt. War es gerade dieser Mangel an lebenserhaltenden Fähigkeiten, der der Entwicklung unseres Gehirns eine so große Bedeutung zukommen ließ?“
„Unser Gehirn macht nur 2% unseres Körpergewichts aus verbraucht aber 20% unseres Energiebedarfs (Spritzer, 2008, S. 13). In den Zeiten des Mangels stellte dieser enorme Energiebedarf des Gehirns eine große Belastung für den Körper da, und so ist zu schliesen, dass das Gehirn einen entscheidenten Vorteil für den Menschen bringen muss, erhält er bei der Verteilung an Energie eine solche Prioriät. Die Weiterentwicklung und Spezilisierung des Gehirns sicherte der Menschheit das Überleben, „[...] jedoch ist der Mensch dank seines Gehirns nicht auf eine Sache besonders spezialisiert, sondern kann sich auf die verschiedensten Umgebungen, Aufgaben und Problem einstellen. Kurz: Er kann lernen, und zwar besser als alle andern Lebewesen auf der Welt“ (Spitzer, 2009, S. 14).
Wie aber funktioniert das Gehirn? Wie lernt der Mensch? Wie kann man das Lernen optimieren? Warum gibt es eine Angst vor dem Lernen? Diese Fragen stellen sich Pädagogen, Eltern und die Öffentlichkeit vermehrt nach den für Deutschland erschreckenden Ergebnissen der Pisastudie und erhoffen sich durch die Erkenntnisse der Hirnforschung eine Leistungssteigerung der Schüler.
Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch diese Arbeit. Es ist allerdings in diesem Rahmen nur möglich einige Teilbereiche dieses umfassenden Gebietes zu betrachten. Im ersten Teil wird die Frage beantwortet, warum es eine Angst vor dem Lernen gibt. Dieser Aspekt erscheint vielleicht auf den ersten Blick unerheblich, da es überwiegend das Lernen der Erwachsenen betifft, gewinnt aber an Bedeutung, wenn man berücksichtigt, dass Lehrer Erwachsene sind, die mit einer festen Vorstellung vom Inhalt des zu lehrenden Stoffes, den dazu geeigneten Methoden und der benötigten Didaktik hierzu auf Schüler treffen. Das erlernen neuerer Methoden, eine neue Didaktik, sowie das Überdenken der Inhalte und Vorgehensweise setzt eine Offenheit für Unbekanntes, Neues voraus. Diese Offenheit birgt aber für viele Erwachsene auch ein Risiko und kann so angstbesetzt sein. Dies kann das Ablehnen neuerer Methoden der Wissensvermittlung bedeuten und so einen Frontalunterricht ohne eigene aktive Anteile für Schüler zur Folge haben. Anschließend geht es um die Frage: Wie lernt unser Gehirn?
Im Weitern wird auf die Neugierde als Antrieb zum Lernen, die Vorraussetzungen für kreatives lustvolles Lernen sowie der Einfluss von Emotionen auf die Lernfähigkeit und die Notwendigkeit von Diziplin beim Lernen hingewiesen, zum Abschluß der Arbeit eigene Gedanken zum Thema Lernen aus neurobiologischer Sichtweise gestützt auf Erkenntnisse von Manfred Spitzer.

2. Die Angst vor dem Lernen

Es zeichnet den Menschen, der sich seiner Identität sicher ist, aus, dass er ein Bild vom anderen Menschen, seinem Gegenüber, hat. Er ordnet ihm jeweils bestimmte Charactereigenschaften wie ehrlich, spontan, zuverläßig, ordentlich, unaufrichtig, unbeständig zu. Zu diesem Bild gehören auch dessen Einstellungen in eine bestimmte politische Richtung, sein Musikgeschmack sowie Moral- und Werteinstellungen. Auch die Stellung des Betreffenden innerhalb einer Gruppe, seinen Einfluss auf diese und wie starr dieser Mensch diesen vermeintlichen Einstellungen über einen längeren Zeitraum entspricht, werden bei der Einschätzung des Betreffenden beurteilt.
Jeder Mensch besitzt auch von sich selbst ein Bild, er schreibt sich bestimmte Eigenschaften und Wertvorstellungen, Schwächen und Stärken zu. Dieses Bild benötigt er unter anderem, um sich selbst in eine Gruppe von Menschen einordnen zu können. Seine von ihm so eingeschätzten Ansichten und Meinungen von bestimmten Gegebenheiten, sei es politischer oder gesellschaftlicher Art, schaffen Sicherheit in seinem Weltbild. Alles hat seinen Platz, seinen Wert und wird dadurch verlässlich einschätzbar. Riten und Rituale geben dem Leben einen Rahmen, Halt und Sicherheit. Dies ist notwendig, um harmonisch in einer Gruppe von Menschen leben zu können.
Mit der Erlangung von neuem Wissen und neuen Erfahrungen, vorzugsweise außerhalb seiner Gruppe, verändert sich aber zwangsläufig sein Bild von der Welt. Informationen und neue Erfahrungen, also lernen, lassen den Menschen althergebrachte Ansichten und Wertvorstellungen überdenken und in Frage stellen. Erweist sich diese Veränderung als gravierent, kann es zu unüberbrückbaren Differenzen innerhalb der eigenen Bezugsgruppe kommen, denn jede Veränderung kann auch ein Risiko bedeuten und Angst auslösen. „ Aus „Man ändert sich, wenn man lernt“ folgt „Wer lernt, riskiert seine Identität( d.h. die Erfahrungen und Werte, die seine Person ausmachen). Und das kann Angst bewirken.““ (Spitzer, 2009, S. 12).
Diese Angst trifft Erwachsene, den diese haben bereits ein festes Bild von sich und der Welt. Kinder dagegen sind erst bei der Gestaltung ihrer Identität und erleben Veränderungen und neue Erfahrungen in den meisten Fällen als Anregung und bereichernd. Sie haben in der Regel keine Angst vor dem Lernen, sie suchen immerzu nach neuem Wissen und Erfahrungen. Erst durch wenig hilfreiche Erlebnisse in Instituitionen oder einem sehr leitstungorientiertem Elternhaus treten, so kann vermutet werden, Versagensängste und damit die Angst vor neuem Wissen auf. Diese Angst kann zu Vermeidung von neuem Wissen und neuen Erfahrungen führen und einen Menschen in seiner Entwicklung stagnieren lassen. Toleranz und Weltoffenheit stehen dem gegenüber. Nur wer sich in einem lebenslangen Prozeß der Erkenntnis und der Wissenserlangung sieht, wird für neues Wissen und den daraus für ihn sich ergebenden Erkenntnissen offen sein. Im 21. Jahrhundert genügt es in unserem Kulturkreis nicht mehr das einmal Gelernte in den verschiedenen Bereichen des Lebens wie der Arbeitswelt als gegeben hinzunehmen, die stetigen Veränderungen zwingen die Menschen zur Weiterbildung und damit dem Weiterlernen. Erkenntnisse, die zum heutigen Tage als sicher gelten, können sich in dieser schnelllebigen Welt morgen als überholt erweisen. Wer in seiner Kindheit aber schon Angst vor dem Lernen und vor neuem Wissen gelernt hat, wird wohl auch als Erwachsener Schwierigkeiten haben, neues Wissen zu erlangen.
Schlußfolgend kann bemerkt werden, dass es wichtig ist, Kinder schon früh zu Toleranz und Offenheit zu erziehen und ihnen die Freude und den Spaß am Lernen nicht zu nehmen. Hier sind die Institutionen aber auch das Elternhaus gefragt nach kindgerechteren Methoden und Themen der Wissens- und Bildungsvermittlung zu suchen.
3. Wie lernt unser Gehirn?

Lernen findet in unserem Kopf statt. Wir lernen laufen, sprechen, miteinander umzugehen, Rücksichtnahme, einen Beruf, zu lügen, fleißig zu sein. Aber wie lernen wir dies, was geschieht in unserem Kopf, unserem Gehirn wenn wir lernen? Der Gedanke, dass lernen nach dem Prinzip des Nürnberger Trichters funktioniert, hat sich als Irrtum erwiesen (verg.Spitzer,2009, S.4), denn lernen ist kein passiver, sondern ein aktiver Akt.
„Wer aber Lernen als eine Aktivität versteht, wie beispielsweise das Laufen oder das Essen, der sucht keinen Trichter, sondern denkt über die Rahmenbedingungen nach unter denen diese Aktivität am besten stattfinden kann“ (Spitzer, 2009, S. 4). Wie gelangen die Informationen, die unsere Sinnesorgane empfangen in unser Gehirn? Zum Gehirn ziehen Nervenfasern, die die empfangenen Informationen als elektische Impulse an das Gehirn weiterleiten, dort werden sie von den Synapsen gewertet und auf chemischem Wege weitergeleitet. Merkt sich unser Hirn also alle so erhaltene Informationen? Nein, unser Gehirn merkt sich die Regel hinter einer großen Zahl von Beispielen. „ [...]dass das Allgemeine an Beispielen gelernt wird und gerade nicht durch das Pauken von Regeln. Das Üben an vielen Beispielen muss daher ein wichtiger Bestanteil schulischen Alltags sein“ (Spitzer, 2010, S. 26).
„ Das Lernen im Alter gehört zu den gesellschafltichen Herausforderungen der Zukunft. Ältere Menschen lernen zwar langsamer als junge, dafür haben sie jedoch bereits sehr viel gelernt und können dieses Wissen dazu einsetzen, neues Wissen zu integrieren“ (Spitzer, 2010, S. 31). Ein älterer Mensch, der bereits acht Fremdsprachen beherrscht, wird eine neunte Sprache schneller lernen, als ein Kind eine zweite Sprache, da er bereits über ein großes Wissen in Bezug auf Spracherwerb verfügt. Durch gesellschaftliche Veränderungen und dadurch, dass die Arbeitswelt einem stetigen Wandel unterzogen ist, sowie die Lebensarbeitszeit sich durch die durchschnittliche Lebenserwartung erhöht hat, wird es zukünftig notwendig sein, auch ein Lernen bis ins hohe Alter zu propagieren.
4. Neugierde, der Antrieb des positiven Lernens

Neugierde ist die Antriebsfeder des Lernens. Die natürliche Motivation, erkennen zu wollen, was noch im Verborgenen liegt, Grenzen zu überschreiten, zu tun, was noch keiner getan hat, Zusammenhänge erkennen zu wollen, hinter Geheimnisse zu schauen. Neugierde steckt in jedem Menschen, der Grad der Neugierde und das Interesse der Neugierde ist aber individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Die Neugierde ist ein Charakterzug des Menschen, dieser hilft ihm seine Umgebung zu erkunden und so auch auf unvorhersehbare Ereignisse in einem gewissen Maß vorbereitet zu sein. Dieser natürlichen Neugierde, die wir vor allem bei Kindern in einem starken Maße vorfinden, wird aber, so erläutert Manfred Spitzer, in unseren Schulen nicht Rechnung getragen, sondern in flächendeckenden Demotivationskampagnen, sowie durch frühzeitiges Selektieren der Schüler nach Leistung und Stigmatisieren erstickt (vergl. Spitzer, 2010). Neugierde hat nicht nur einen positiver Aspekt, sie erhöht auch das persönliche Risiko des Betreffenden. Die Spitzmaus, die sich nur in ihrem Bau und der unmittelbaren Umgebung aufhält, befindet sich in geringerer Gefahr von Raufvögel, bei unvorhersehbaren Ereignissen, wie Überschwemmungen ist sie aber klar im Nachteil, denn sie hat keine Informationen über die weiterliegende Landschaften und kann sich so nicht retten.
Dieses Risiko, dass durch Neugierde entstehen kann, scheint aber, verglichen mit dem Gewinn, lohnenswert. Ohne die Neugierde des Menschen, wäre die Entwicklung der Menschheit nicht denkbar. Die Frage, was Neugierde ist, beantwortet Manfred Spitzer folgendermaßen „Denken und Neugier sind auf einen Inhalt gerichtet, haben also intentionale Struktur; sind nicht statisch, sonder in Bewegung; auf etwas hin, dass ich noch nicht kenne. Dieses Auf-etwas- gerichtet- sein, das zugleich wesensmäßig noch nicht gekannt ist- ja, das gehört zur Neugier. Und die Freude daran, die mich treibt, das Erkenntnisintesse, gehört auch zu ihr“ (Spitzer, 2010, S. 15). In Versuchen wurde nachgewiesen, dass je neugieriger die Probanden einer Versuchsreihe auf die Antwort einer Frage waren, desto größer war der Anteil der korrekt behaltenen richtigen Antworten, desto mehr blieb hängen. Zusammenfassend kommentiert Spitzer „[...] Neugierde, das sie in einen klaren Zusammenhang mit Lernen, Erwartungen und Belohnung stellt: Ereignisse der Umgebung ( Fragen) triggern in unterschiedlichem Maß die Neugier, das heißt, die Suche nach Information. Diese Information hat belohnenden Charakter, und dieser Belohnungsapekt ist in den Basalganglien repräsentiert. Diese wiederum versorgen das Arbeitsgedächnis im Fronthirn mit dopaminergem Input,[…] eine stärkere Repräsentation […] der Frage bewirkt eine bessere Einspeicherung der Antwort und sichert damit ihr besseres langfristiges Behalten“ (Spitzer, 2010, S. 17).
Wir sind die Gestalter unseres Gehirns. Mit dem Gebrauch verändern wir unser Hirn. Es werden Gebrauchsspuren angelegt. Es ist daher von wesenlicher Bedeutung, was dem Gehirn an Informationen gegeben wird. Während des Schulunterrichts besteht für die Schüler nur bedingt Einfluß auf Inhalt und Darbietensform des von ihnen zu lernenden. In der Freizeit sieht dies anders aus, hier besteht in der Regel eine Wahlmöglichkeit. Wird die hundertste Folge von und die Liebe wird immer siegen angesehen oder im Garten Insekten beobachtet, wird auf dem Computer ein Ballerspiel gespielt oder lieber mit Freuden etwas unternommen. Hier gibt es eine Entscheidungsmöglichkeit, jeder ist für die Inhalte, die er seinem Gehirn anbietet, wenigstens zum Teil selber verantwortlich. Diese Verantwortung und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben müssen den Jugendlichen aber auch vermittelt werden, denn „ Dieser Zusammenhang- je mehr ferngesehen wird, desto schlechter das erreichte Bildungsniveau ist damit real und kein statistisches Artefakt“ (Spitzer, 2006, S. 83). Es muss klar sein, dass man nicht nur seine Zähne regelmäßig putzen muss, sondern auch für interessante und unterhaltsame Inhalte für die Leistungfähigkeit und Gesundheit seines Gehirns zu sorgen hat.
Zum Beispiel erhält das Sprachzentrum während der Sprachentwicklung hunderttausende von Spracheindrücken im lebendigen Kontext und lernt so Wörter, Grammatik zu gebrauchen. So werden auch durch Vorleben anderer und eigene Erfahrung die Zentren für vernünftiges Denken, zielgerichtetes Planen vergleichendes Bewerten und sinnvolles Handeln durch Wiederholung angelegt. Durch das Spielen lernt das Kind in einem geschützten Rahmen alles, was es für sein Leben benötigt. Das Theaterspiel ist hierbei eine besonders geeignete Möglichkeit in einer Gruppe eine Rolle zu lernen. Wir tun so als ob, dass lässt uns besser in andere Menschen hineinversetzen, ihre Sicht auf Dinge erkennen und so andere Standpunkte verstehen. Hierbei erhalten wir einen anderen Blick auf die Dinge, sehen sie von einem anderen Winkel aus und lernen so im Spiel auch auf gefahrvolle Situationen zu reagieren.
5. Unser Selbstbild
In der Regel haben Menschen ein positives Selbstbild. Sie können ihre guten Eigenschaften aufzählen und sind stolz auf diese. Der Mensch ist ein soziales Wesen und fühlt sich zu Gruppen dazugehörig. Diese Gruppen können die Familie, die Arbeitskollegen, der Fußballverein und vieles mehr sein. In Gruppen fühlen wir uns geborgen, denn schon vor Jahrmillionen schloss sich der Mensch, um sein Überleben zu sichern, zu Gruppen zusammen. Menschen definieren sich über ihre Gruppe und das Ergebnis der Gruppe bei einem Wettbewerb steht häufig für sie bedeutsam über dem der eigenen Leistung innerhalb der Gruppe. Je ähnlicher der Andere mir ist, je eher empfinde ich mit ihm. Das, was der Andere, in dem ich mich wiedererkenne, erlebt, hat auch Auswirkungen auf mich „Wenn ich zu den Dicken gehöre und die Dicken nun mal im Sport schlecht sind, dann werde ich nicht nur durch jede eigene missglückte sportliche Leistung gedemütigt, sondern auch durch jede von mir bei anderen Dicken beobachtete“ (Spitzer, 2010, S. 45).
Das heißt, wird Mädchen vermittelt, dass sie von Geschlecht her schlechter in Mathematik sind, kann jedes registrierte Versagen bei anderen Mädchen in der Mathematik dazu führen, dieses Denken zu verstärken und das natürliche nicht können zu bestärken. Dieser Effekt ist nicht zu unterschätzen und zeigt, dass ein negatives Vorurteil zu minderen Leistungen durch schlechtere Selbsteinschätzung führen kann. In Deutschland hält sich das Vorurteil hartnäckig, dass mathematisches Können vor allem von der mathematischen Veranlagung abhängt, das heißt, versagt man leistungsmäßig in Mathematik, entschuldigt man dieses mit mangelnder Begabung auf diesem Gebiet und lässt es darauf beruhen. In anderen Ländern, wie Japan wird davon ausgegangen, dass Fleiß ausschlaggebend für mathematische Leistung ist. Versagt ein Japaner in Mathematik, übt er um besser zu werden, er beruft sich nicht auf mangelnde Begabung. Spitzer bringt zur Verdeutlichung dieses Teufelskreises folgendes Beispiel „Wer zur farbigen, afroamerikanischen Bevölkerung gehört und von sich selber glaubt, dass er dumm, faul und gewalttätig sei, oder wer auch nur glaubt, das die anderen dies glauben, der fühlt sich automatisch bedroht und erlebt Stress, wenn von ihm intellektuelle Leistungen gefordert werden; aber auch bei moralischen Herausforderungen wird er aus dem gleichen einfachen Grund nicht immer die gut Alternative wählen: die anderen erwarten das ohnehin nicht von ihm“ (Spitzer, 2010, S. 47). Daraus ist zu schließen, dass Menschen, die nicht im positivem Sinne an sich glauben und an die in ihrem Umfeld auch nicht geglaubt wird, schlechtere Leistungen erbringen und weit hinter ihren individuellen Möglichkeiten zurück bleiben. Daraus folgt, dass ein positives Selbstbild, ein an sich glauben, ganz neue Möglichkeiten und Talente wecken kann. Dies auf die Schule und die Erziehung übertragen bedeutet, nicht den ständig guten Schüler pausenlos für seine erbrachten Leistungen vor der Klasse zu loben, und ihn den Schülern mit weniger Erfolg als leuchtendes Beispiel darzustellen, sondern auch kleine Fortschritte der Anderen zu registrieren und zu erwähnen. In Deutschland fehlt es immer noch im Unterricht und der Erziehung an der positiven wertschätzenden Einstellung zu jedem einzelnen Kind. Gelobt wird in deutschen Schulen das lückenlose Reproduzieren von dem durch den Lehrer vermittelte Wissen, Kreativität und Engagement, Sozialkompetenzen und Talente, die über den Lerninhalt hinausgehen finden kaum Beachtung. Hierdurch würde sich auch die schulischen Leistungen der Schüler in Deutschland verbessern, denn fühlen sich Menschen angenommen, ernstgenommen und verstanden und werden die Fachinhalte lebendig und spannend dargestellt, braucht es nur die schon vorhandene Lust am Lernen um Leistungen zu steigern und zufriedenere am Lernen Spaß habende Kinder zu erhalten..

6. Bedingungen für possitives Lernen

Neben dem positiven Selbstbild und der Neugierde, auf die in den vorhergehenden Kapitel eingegangen wurde, ist die emotionale Geborgenheit, aber auch das Lernen von Disziplin und dem so erlernter vorübergehender Lustverzicht wesentlich für das positivem Lernen und dem daraus resultierendem kreativen Umgang mit dem Erlernten verantwortlich. „Die Rolle der Emotionen beim Lernen ist kaum zu überschätzen. Wir konnten zeigen, dass neutrales Material in Abhängigkeit davon, in welchem emotionalen Zustand es gelernt wird, in jeweils anderen Bereichen des Gehirns gespeichert wird. Während das erfolgreiche Einspeichern von Wörtern in positivem emotionalem Kontext im Hippocampus geschieht, speichert der Mandelkern neutrale Wörter in negativem emotionalem Kontext“ (Spitzer, 2010, S. 28). Es spielt also eine entscheidende Rolle ob lernen mit Lust oder unter Angst erfolgt, denn lustvoll gelerntes kann kreativ auf ähnliche Situationen übertragen werden. Unter Angst gelerntes und im Mandelkern gespeichertes Wissen reproduziert mit dem so gelernten Wissen bei deren Abfrage jedesmal auch die dazugehörende Angst. „Zwischen der Erziehung und seelischen Unterstützung von Kindern und der Entwicklung ihres Gehirn sowie ihrer natürlichen Erfahrungen gibt es tiefe Wechselwirkungen“ (Spitzer, 2005, S. 79).
„Wenn man einen Klassensaal betritt und nicht weiß, ob gerade Unterricht ist oder große Pause, dann stimmt erwas nicht“ (Spitzer, 2009, S. 411). Mangelde Disziplin kann , so ist auch meine Erfahrung, zu einem solchen Chaos führen, dass jegliche Wissensvermittlung unmöglich macht. Es müssen nicht nur Regeln des Umgangs miteinander vereinbart werden, es ist auch nötig, auf deren Einhaltung zu achten. Mangelde Diziplin kann aber auch ein Zeichen von mangelndem Interesse des Lehrenen an dem behandelden Stoff oder den Schülern sein, aber auch ein Hinweis auf einen langweiligen Unterricht.

7. Fazit

Viele der Erkenntnisse der Hirnforschung sind nicht wirklich neu. Aber mit Hilfe der Hirnforschung und entsprechender Forschungen und Testreihen wurde wissenschaftlich belegt, dass es Bedingungen gibt, unter denen Lernen effektiver und nachhaltiger von statten geht. Emotionen spielen eine große Rolle, empfindet der Lehrende das Thema selber als interessant und spanndend, wird er auch auf mehr Interesse der Zuschauer und Zuhörer treffen. Die zur Wissensvermittlung genutzten Methoden, die Didaktik, das Einbeziehen der Schüler bei der Vermittlung des Wissens und eine Atmosphäre die vertrauensvoll und anregend ist läßt Schüler besser lernen. Nicht nur die Besten einer Klasse gehören gelobt, im Gegenteil, auch das Loben kleiner Erfolge bei schwächeren Schülern führt zu einem größeren Selbstvertrauen und zu mehr Mut bei gestellten Aufgaben. Eine Motivation für die Schüler ist das Einbeziehen ihrer Interessen und Wünsche in die Gestaltung des Unterrichts und in ihrer Freizeit.

Literaturverzeichnis

Spitzer, Manfred (2010). Aufklärung 2.0 Gehirnvorschung als Selbsterkenntnis. Stuttgart: Schattauer.
Spitzer, Manfred (2006). Gott-Gen und Großmutterneuron Geschichten von Gehirnforschung und Gesellschaft. Stuttgart: Schattauer.
Spitzer, Manfred (2010). Lernen und Gehirn, Der Weg zu einer neuen Pädagogik. (R. Caspary, Hrsg.) Freiburg im Preisgau: Herder.
Spitzer, Manfred (2009). Lernen, Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Heidelberg: Sprektrum-Verlag.
Spitzer, Manfred (2005). Wie funktioniert das Gehirn? Auf dem Weg zu einer neuen Lernwissenschaft. Stuttgart: Schattauer.
Spritzer, Manfred (2008). Neurowissenschaft und Soziale Arbeit: Von der Hirnforschung lernen Dokumentation einer Fachtagung in Wernberg-Köblitz vom 26.Juni 2008. (U. Prof. Dr. Bartosch, & S. Loew, Hrsg.) Wernberg-Köblitz: Dr. LOEW ( Soziale Dienstleistungen), Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Kommentare & Antworten

One Response so far.

  1. Bastian sagt:

    Es tauchen zwei Literaturverweise von Spitzer aus dem Jahre 2010 auf. Jetzt weiß man gar nicht, welche Aussage aus welchem Buch stammt.
    Wäre für mich aber gerade aktuell wichtig zu wissen.

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